











Selektion HSH
Unter Herdenschutzhund HSH werden vielfach alle grossen Hirtenhunde mit Urahnen im Herdenschutz bezeichnet.
Es muss aber ganz klar betont werden, dass viele HSH-Rassen durch unterschiedliche Haltungs- und Zuchtbedingungen weit entfernt von ihrer ursprünglichen Haltung als Arbeitshunde durch Schauzuechter zu Familienhunden gewandelt haben . Während die Hunde aus Arbeitszuchten eine sehr hohe Grundschaerfe und hohes Aggressionspotenzial gegenüber Artgenossen aufweisen, lassen die Nachkommen der Schau- und Familienhundezuchten die ursprünglichen Eigenschaften eines HSH manchmal nur noch ansatzweise erkennen. Ohne in diesem Punkt eine Bewertung in gut oder schlecht vorzunehmen zu wollen ist festzustellen, dass man bei Maremma-Abruzzesen, mehr als bei anderen HSH üblich , sehr genau auf die Herkunft der Hunde achten muss, wenn man bestimmte Eigenschaften bei der Anschaffung eines Welpen Wert legt. Die grosse Variabilitaet der Wesenseigenschaften findet sich ausser beim Maremmano-Abruzzese innerhalb der HSH nur noch bei den Pyrenaenberghunden, die eine ähnliche Entwicklung in Familien- und Arbeitshundezichten erfahren haben. Die Freunde dieser Rassen mögen diese Hinweise bitte nicht als Kritik oder gar Abwertung der Hunde verstehen, es handelt sich um Tatsachen , die es wertefrei zu betrachten gilt und keine Wertrangfolge begründen sollen.
HSH Schweiz
In der Schweiz darf nach geltendem Gesetz der Bauer und Hirte seine bevorzugte HSH-Rasse aussuchen und einsetzen fuer den eigenen Herdenschutz.
Der Staat unterstützt jedoch bloss sogenannt „offizielle HSH“ mit finanzieller Unterstützung und Rechtsschutz . Es werden nur Maremmano-Abruzzesen und Pyrenaenberghunde aus staatlich finanzierten Zuchtstaetten anerkannt und gefördert .
Der Klub Süd- und Osteuropäischer Hirtenhunde ( KSOH) bietet allen Mitgliedern einen Rechtsschutz an und fördert die Eigeninitiative , um geeignete HSH-Arbeitshunde verantwortungsbewussten Tierbesitzern anbieten zu können . Wir fordern zudem auch die staatliche Anerkennung privater HSH-Rassen aus ursprünglichen Arbeitslinien . Das wichtigste Kriterium müsste eigentlich der Erfolg der Arbeitsleistung der HSH sein, die Verhinderung von Wolfsrissen sowie die Verträglichkeit mit den Menschen in unserer engen Schweiz .
Die mehrheitsbestimmende Gesellschaft verlangt von uns Bauern und Hirten den Herdenschutz, und der Staat schränkt uns zugleich in unserer Handlungsfreiheit ein, ist selber aber gerade imstande 14 ausgebildete HSH pro Jahr nach zweijähriger Wartezeit für die ganze Schweiz anbieten zu können .
Ich habe selber wiederholt gesehen, dass erfahrene Hirten ohne grosse Probleme HSH in ihre Herden einführen können und schnell integriert werden und vorzügliche Arbeit leisten. Erfahrung mit Huetehunden ist dabei von grossem Vorteil und ist eine wichtige Basis um den Umgang mit HSH zu verstehen zu lernen.
Der Einsatz von HSH , die den unwilligen Bauern erst nach Schaden vom Staat sozusagen aufgezwungen werden, bieten beste Voraussetzungen für ein Scheitern aus Überforderung und Unvermoegen .
Wir empfehlen seine Tiere an HSH anzugewöhnen , BEVOR sie Opfer von Rissen wurden und alle zusammen inklusive Besitzer schon unter Stress stehen und keine Zeit fuer Experimente mehr bleibt.
Meine persönlichen guten Erfahrungen mit HSH machte ich in den 90er Jahren auf Trekking im Himalaya mit Tibet Mastiff und in Anatolien mit Kangal in ihrem angestammten Umfeld und es war bewusst, dass Hunde aus schwachbesiedelten Gegenden in der Schweiz nur schwer gehalten werden können da hier ganz andere Bedingungen herrschen .
Im Jahr 2000 hielt ich mit einem Pyrenaenberghund meinen ersten HSH auf einer Schafalp in Graubünden.
2002 erhielt ich Arbeit als Hirte auf einer Alp im Tessin nach den ersten Wolfsrissen und als praktischer Mitarbeiter in der kantonalen Herdenschutz-Arbeitsgruppe in Zusammenarbeit mit KORA(Raubtier Management Schweiz) und zwei Abruzzen-HSH direkt aus Italien. Die Anweisungen der vom Staat angestellten Herdenschutzberater forderten, dass die HSH keinen nahe Beziehung mit dem Halter aufbauen sollten , und körperlicher Kontakt und verbale Komunikation unerwünscht sind. Diese Theorie stützt sich auf Studien von Nicht-Hirten und hat sich in der Praxis logischerweise nicht bewähren können . Daneben arbeitete ich auch mit HSH von anderen Besitzern, die zu mir als Hirten keinen nahen Bezug aufbauten und sehr selbständig agierten.
Ich persönlich wünsche mir als Alp-Hirt in den touristischen Schweiz einen gut fuehrbaren und leicht sozialisierbaren HSH , der auf Menschen viel entspannter reagiert als die geläufigen HSH-Rassen . Nach langer ausführlicher Suche habe ich die ausserhalb Italiens unbekannte HSH Pastore della Sila aus Kalabrien in Süditalien als interessante Alternative entdeckt und Anfang 2019 die ersten drei Zuchthunde aus reinster Arbeitslinie in Wolfsteritorium seit Urgedenken mit gnadenloser Selektion durch die Natur. Ich persönlich halte den Pastore della Sila als die perfekte HSH-Rasse fuer unsere Schweizer Gegebenheiten, die es einiges leichter machen gerade fuer HSH-Unerfahrene Ersthalter.




Im Kanton Graubünden werden neu Kangal- HSH eingesetzt , die sehr gross und stark sind, um den sich neu gebildeten Wolfsrudeln zum Kampf stellen zu können . Es gibt aber zu grosses Konfliktpotenzial mit Touristen und Behörden und deshalb muss die Schliessung der Wanderwege erwogen werden . Der Kangal wird vom Bund nicht als „offizielle HSH“ anerkannt, da sie auch auf der Liste der gefährlichen Hunde in gewissen schweizer Kantonen eingeordnet wurden.

Der sanfte HSH
Die kalabrische Hochebene SILA ist von der Naturbeschaffenheit , Geomorfologie und Vegetation , den Alpen aehnlicher als der Zentralappenin, so der Abruzzesen ueber Jahrhunderte selektionirt wurde. In den Alpen, wo die urspruenglichen Herdenschutzhunde mit dem Ausrotten des Wolfes und Baers ebenfalls verschwunden, muessen die Hirten ihre Herden vor den sich stark verbreitenden Woelfen (und teils auch Baer, Luchs und Goldschakal) in sehr steilem und verbuschtem Gelaende und zudem touristisch stark frequentierten Gebieten. Der Einsatz von HSH-Rassen wie der Sila oder Estrela-Berghund, die sich durch geringere Aggression in der Begegnung mit fremden Menschen im Vergleich mit anderen HSH-Molosser-Rassen auszeichnen, bietet den Hirten in den Alpen einen sozialvertraeglichen Herdenschutz , der von der Bevoelkerung akzeptiert werden kann.
