Schafalp Campioni Herdenschutz Konzept 24

Die Alpe Sponda wurde ursprünglich mit ca 200 Milchkühen bestossen und nach 1975 aufgegeben und mit Schafen ersetzt. Der hermetisch abgeschlossene Kessel der Alpe Sponda hat ein freies Weiden der Schafe ermöglicht und war bekannt für die schönsten Lämmer in der Leventina.

Im Jahr 2003 wurde der erste Wolf in Gribbio Chironico Faido nachgewiesen.

2013 habe ich zum ersten Mal die Spuren eines Wolfes im Neuschnee ohne Einzusinken entdeckt die mich zu den eingeschneiten Schafen führte. Der Wolf umkreiste die Schafe auf zwei Meter Abstand und griff die Schafe nicht an da sie nicht fliehen konnten mit einem Meter Schnee!

Seit 2010 habe ich die Alpe Campioni und Campale als Schafweide für Schlechtwetterphasen und Wolfspräsenz eingerichtet da es ein hermetisch abgeschlossenes enges Seitental ist das perfekt für ein Nachtläger ist . Ein elektrifizierter Zaun von 300 Meter trennt Campioni von der Kuhweide der Alpe Sponda und ist optimal für die Umsetzung eines erfolgreichen Herdenschutzes. 2017 habe ich einen Container hochfliegen lassen um eine Übernachtungsmöglichkeit als Hirt bei den Schafen zur Verfügung gestellt zu bekommen. Für unsere Sila Hirtenhunde hat es eine große Höhle als Witterungsschutz und Futterstation und sie können frei laufen ohne Probleme mit Touristen da genug Abstand zum Wandererweg Sponda-Barone besteht.

Die Weide in Campioni erlaubt es auch bei schlechtem Wetter mit intensivem Regen und Nebel die Schafe sicher geschützt vor Wolfsangriffen zu hüten da sie von natürlichen Grenzen und einem Elektrozaun hermetisch abgeschlossen ist. Es erlaubt auch die Schafe nachts frei weiden zu lassen ohne sie jeweils einpferchen zu müssen. Die Vorgaben des Bundes verlangt jedoch die Schafherde jede Nacht einzupferchen um als geschützte Herde anerkannt zu werden. Durch diese wolfsbedingte Zwangsmaßnahmen muss extra ein Schafhirt angestellt werden und ein riesiger unnötiger Mehraufwand geleistet werden und stellt ein erhöhtes Risiko für die Ausbreitung von Krankheiten. Desweiteren muss ich erwähnen dass letztes Jahr bei Wolfspräsenz die Schafe mitternachts in Panik herumgerannt sind wenn die HSH so wehement in ihrer unmittelbaren Umgebung bellen ohne die Umgebung nach dem Eindringling absuchen zu können.

Die Alpe Campioni hat als Verlängerung ein zweites separates Tal wo vor ca. 100 Jahren noch eine Kuhalp war und von unten mit Erlenstauden zugewachsen ist aber schöne Böden mit gutem Gras für Schafe sowie Wasser hat. Die Alphütte ist schon lange zerfallen und es wäre sehr hilfreich einen einfachen Schlafplatz und Kochmöglichkeit aufbauen zu können. Nach ca einem Monat in Campioni sollen die Schafe nach Campale um das Gras in Campioni nachwachsen zu lassen für den Herbst. Je nach Wetter und Lage muss mehrmals gewechelt werden. Wenn die Schafe zu lange auf der gleichen Weide gelassen werden haben sie die Tendenz ganz nach oben in sehr steile gefährliche Felsen zu steigen was eine große Herausforderung zum runtertreiben bedeutet und deshalb zu verhindern versucht wird. Das ist nur bei heißem Wetter der Fall und bei nasskaltem Regenwetter bleiben sie gerne unten in den verbuschten Weiden.

Das langfristige Ziel ist die Konditionierung der Schafherde zum automatischen Zurückkommen und Sammeln beim Salzplatz und Nachtläger wo die Hunde und Ziegen ihren Höhlenstall und der Hirt seine Baracke hat. Die Schafe werden täglich vor dem Weidegang zum Salzplatz kommen und sich sammeln und abends wieder dahinziehen wenn sie im ersten Jahr zalp gut erzogen werden vom Hirt.

Alpe Campale

Die Präsenz zweier Wölfe auf Alpe Sponda wurde im Juni 2023 mit Rissen an ungeschützten Schafen und Ziegen in Zone unterhalb Pizzo Forno festgestellt und dauerte den ganzen Sommer über an. Ein betroffener Schafbauer hat einen großen grauen männlichen Wolf nachmitttags bei seinen toten Schafen gesehen der unbeeindruckt von Menschen ist.

Die Herde von 150 Schafen wurde nach der Attacke mit der anderen Herde von 300 Tieren in Campioni zusammen mit unseren Sila Hirtenhunden den ganzen Sommer erfolgreich vor weiteren Wolfsangriffen schützen können.

Es hat sich jedoch gezeigt dass die Wölfe angefangen haben gewisse hornlose Mutterkühe nervös zu machen was sich nach der erwarteten Rudelbildung vom Campo Tencia Wolfsrudel verstärken wird.

Aus diesen Gründen müssen in Zukunft auch einige HSH das Territorium der Kuhweiden verteidigen. Ein Einzäunen der vielen verstreuten Kuhherden ist unmöglich und die Alpe Sponda wurde als „unzumutbar schützbar“ vom Kanton Tessin eingestuft worden.

Die Renovierung der uralten zerfallenden Alphütte in Gardisc wird es in Zukunft erlauben viel näher an den Tieren zu übernachten und vermindert das Konfliktpotential mit Touristen wie es bei der am Wanderweg bei der SAC Rifugio Sponda liegender Alpe Sponda vorprogrammiert ist mit HSH.

Veröffentlicht von Alp-Hirt

Professioneller Alp-Hirt und Hirtenhundezuechter seit 1995 in der Schweiz Pastorizia Alpe Sponda Chironico TI Schweiz Alpweidewirtschaft